Augsburg. Das Europäische Parlament hat am 21. Mai eine neue EU-Richtlinie über die Rechte von Opfern verabschiedet – und damit aus Sicht der ALfA einen überfälligen Fortschritt beim Opferschutz mit einem inakzeptablen ideologischen Schritt verknüpft.

Die überarbeitete Richtlinie modernisiert erstmals seit 2012 den EU-Rahmen für Opfer von Straftaten. Sie stärkt Mindeststandards für Unterstützung und Schutz, schafft EU-weite Hotlines (116 006), verbessert den Zugang zu Rechtsbeistand und Entschädigung und schützt personenbezogene Daten von Opfern besser vor Tätern.

„Alles, was echte Opfer von Straftaten besser schützt, begrüßen wir ausdrücklich“, erklärt Cornelia Kaminski, Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA). „Gerade Frauen, die Gewalt erlebt haben, brauchen niedrigschwellige Hilfe, gute Beratung, Traumatherapie und rechtliche Unterstützung.“

Vorgeburtliche Kindstötung in Opferrichtlinie verankert

Kritisch sieht die ALfA, dass in der Richtlinie erstmals ausdrücklich der Zugang zur Abtreibung genannt wird. In einem Erwägungsgrund heißt es, Gesundheitsdienste im Bereich „sexueller und reproduktiver Gesundheit“ für Opfer sexueller Gewalt könnten auch den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen umfassen; die Mitgliedstaaten sollen entsprechende Angebote bereitstellen oder vermitteln – „sofern dies nach nationalem Recht zulässig ist“.

„Damit wird Abtreibung in einem Text verankert, der mit dem Thema eigentlich nichts zu tun hat. Das ist klassische Symbolpolitik, die unter dem Deckmantel des Opferschutzes betrieben wird“, so Kaminski. „In der EU werden nach Schätzungen jedes Jahr deutlich über 600.000 Kinder vor der Geburt getötet. Das ungeborene Kind ist somit das häufigste Opfer von Gewalt,  und kommt in diesem Text nicht nur nicht vor, sondern wird explizit zum Opfer gemacht: Seine vorgeburtliche Tötung soll Teil des Schutzes von Opfern sexueller Gewalt werden.“

Subsidiarität und Menschenwürde verletzt

Die ALfA erinnert daran, dass die Abtreibungspolitik nach den europäischen Verträgen in der ausschließlichen Zuständigkeit der Mitgliedstaaten liegt.

„Wenn Brüssel ausgerechnet eine Opferrichtlinie nutzt, um Abtreibung politisch aufzuwerten, ist das eine schleichende Kompetenzverschiebung und ein Verstoß gegen das Subsidiaritätsprinzip“, kritisiert Kaminski. „Die EU beruft sich auf die Menschenwürde – wendet sie aber selektiv an. Für die noch nicht Geborenen gilt sie offenbar nicht.“

Appell an die Mitgliedstaaten

Die Richtlinie muss nun noch vom Rat förmlich angenommen werden; anschließend haben die Mitgliedstaaten zwei Jahre Zeit für die Umsetzung in nationales Recht.

„Wir appellieren an die Regierungen im Rat, diesem Text in der vorliegenden Form nicht zuzustimmen“, sagt Kaminski. „Europa braucht starken Opferschutz – aber keinen Missbrauch des Opferschutzes, um Abtreibung Schritt für Schritt zu einem europäischen ‚Quasi-Grundrecht‘ zu machen.“


Die Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) e.V. ist eine überkonfessionelle, parteiunabhängige Bürgerinitiative mit bundesweit rund 11.000 Mitgliedern. Sie ist Mitglied im Bundesverband Lebensrecht und setzt sich seit 1977 in Öffentlichkeit und Politik sowie durch konkrete Hilfe für Schwangere in Not für den Schutz des menschlichen Lebens von der Zeugung bis zum natürlichen Tod ein.


V.i.S.d.P.
Cornelia Kaminski
Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle, ALfA e.V.
E-Mail: cornelia.kaminski@alfa-ev.de
Telefon: 0821/512031

Berlin, 7. Mai 2026 – Die Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) kritisiert die morgen in Berlin beginnende Konferenz „Men Having Babies“ scharf und fordert den Berliner Senat auf, alle rechtlichen Möglichkeiten gegen die kommerzielle Förderung von Leihmutterschaft auszuschöpfen.

„Men Having Babies“ (MHB) ist eine international operierende Non-Profit-Organisation, die schwulen Männern und Transpersonen den Weg zur Elternschaft über Leihmutterschaft ebnet. Die Teilnehmer erhalten Beratung, Informationen und direkten Zugang zu zahlreichen Agenturen, Kliniken, Anwaltskanzleien und weiteren Dienstleistern des Leihmutterschaftsmarkts.

Die Messe wirbt offensiv mit Programmen wie dem „Gay Parenting Assistance Program“ (GPAP), das Zuschüsse, Preisnachlässe und kostenlose Leistungen gewährt, sowie dem „Membership Benefits Program“ (MBP) mit Rabatten bei über 150 Leihmutterschafts‑Dienstleistern. „Durch Rabatte und Bonusprogramme wird eine künstliche Nachfrage erzeugt: Agenturen gewinnen neue Kunden, der Markt wächst, und selbst Preisnachlässe rechnen sich, weil das gesamte Geschäftsvolumen steigt“, kritisiert Cornelia Kaminski, Bundesvorsitzende der ALfA.

Die Berliner Messe bietet ausdrücklich die Gelegenheit, mit Sponsoren und „möglichen Partnern“ in Kontakt zu kommen, private Beratungsgespräche mit Agenturen zu vereinbaren, sich über finanzielle Unterstützung zu informieren und zu erfahren, wie man eine passende Agentur, Leihmutter und Eizellspenderin findet. Der Eindruck einer Verkaufsveranstaltung drängt sich auf: Potenzielle Kunden – schwule Paare und Singles – werden mit Anbietern zusammengebracht, und Sonderkonditionen sollen den Geschäftsabschluss erleichtern.

Das „Produkt“, um das es geht, ist ein Kind, das wie eine Ware bestellt und geliefert wird. Für seine Entstehung werden Frauen als Eizelllieferantinnen und als Vermieterinnen ihrer Gebärmutter benötigt. Schon aus dieser Beschreibung ergibt sich, dass es sich um ein zutiefst menschenverachtendes, frauenfeindliches und kindeswohlgefährdendes Geschäftsmodell handelt.

Tatsächlich wird der Körper einer Frau für Monate „angemietet“: Die Vertragspartner bestimmen Aufenthaltsort, Lebensweise, Ernährung, medizinische Überwachung und oft sogar den Geburtsmodus. „Die beschönigende Rede von der ‚Leihmutter‘ verdeckt, dass hier ein Abhängigkeitsverhältnis entsteht, das dem Begriff Sklaverei näher kommt als irgendeiner Form von freier Entscheidung“, so Kaminski. „Die Frau hat zu funktionieren, das Kind hat einen Zweck zu erfüllen – nämlich den Wunsch der Bestellenden nach Nachwuchs.“

Leihmutterschaft ist in Deutschland aus guten Gründen verboten. Dass sie überhaupt als „zeitgemäße Elternschaft“ diskutiert wird, liegt an verharmlosenden Begriffen und Berichten über „Babyglück“ bei Prominenten, die aber weder Schwangerschaft noch Geburt durchlebt haben, sondern einer Mutter noch im Kreißsaal das neugeborene Baby weggenommen haben.

„Frauen sind keine Mietkörper, Kinder keine Bestellware“, fasst Kaminski zusammen. „Deutschland muss Leihmutterschaft konsequent bekämpfen – auch dort, wo sie hinter wohlklingenden Begriffen und Rabattprogrammen versteckt wird. Ein erster richtiger und konsequenter Schritt wäre, auch das bereits bestehende Verbot der Werbung hierfür durchzusetzen. Der Berliner Senat täte daher gut daran, zu handeln.“


V.i.S.d.P.
Cornelia Kaminski
Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle, ALfA e.V.
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