Weniger Zeit zum Nachdenken, höherer Druck – was die Abtreibungszahlen aussagen

Zur veröffentlichten Abtreibungsstatistik 2025 sagte Alexandra Maria Linder M.A., Vorsitzende des Bundesverband Lebensrecht e.V., heute in Berlin:

Die Abtreibungsstatistik spricht offiziell von sinkenden Zahlen. Die 105.710 gemeldeten Abtreibungen in den Ende 2025 gelisteten 1.120 Einrichtungen bedeuten rein rechnerisch 0,7 % weniger als 2024. Bei genauerem Hinsehen jedoch sieht die Entwicklung ganz anders aus: So sank die Zahl der gebärfähigen Frauen im Alter von 14–19 (4 %) und im Alter von 20–24 (4,9 %). Aussagekräftiger ist daher hier die Abtreibungsquote, die Zahl der abtreibenden Frauen unter 10.000 Frauen derselben Alterskohorte: Hier zeigt sich eine stagnierende bzw. steigende Quote, was nicht weniger, sondern mehr Abtreibung bedeutet. Dasselbe Bild ergibt sich in den höheren Altersklassen (außer 30–35), wo sowohl die Zahlen als auch die Quoten teilweise massiv angestiegen sind. Auch der vom Statistischen Bundesamt angeführte Zehnjahresvergleich zeigt, dass trotz sinkender Frauenzahlen 2015 6.800 Abtreibungen weniger erfasst wurden.

Besonders besorgniserregend ist auch der ungewöhnliche Anstieg der Abtreibungen aufgrund von Vergewaltigung (kriminologische Indikation) von 40 auf 85. Dahinter steht eine hohe Dunkelziffer, denn viele Frauen zeigen die Vergewaltigung nicht an, sondern besorgen sich einen Beratungsschein. Dies weist einerseits darauf hin, dass ein wichtiges Hauptziel der Emanzipation, nämlich Respekt vor Frauen, offenbar immer noch nicht erreicht wird. Andererseits darauf, dass die Schein-Beratungsstellen wohl nicht immer so beraten, wie es nach § 219 StGB und Schwangerschaftskonfliktgesetz vorgeschrieben ist: für ein Leben mit Kind, umfassend, intensiv, mit Einbeziehung aller möglichen Hilfsstellen, Fördermöglichkeiten etc. Dafür sprechen auch die gleichbleibend hohen und seit dem dritten Quartal 2025 stetig steigenden Abtreibungszahlen.

Bedenklich ist weiterhin, dass 49 % der Abtreibungen in den ersten sechs und insgesamt 80 % in den ersten acht Schwangerschaftswochen stattfinden, also dann, wenn viele Frauen die Schwangerschaft gerade erst bemerkt haben. Das bedeutet weniger Zeit zum Nachdenken, weniger Zeit für gute Beratung und das Angebot von Alternativen, weniger Bedenkzeit, höheren Druck und damit möglicherweise mehr schnelle Abtreibungsentscheidungen. Es ist kaum möglich, dass man in so kurzer Zeit und unter Druck problemlos selbstbestimmte, vorausschauende Entscheidungen dieser Tragweite treffen kann. Erhöht wird der Druck dadurch, dass die Abtreibungspille, die inzwischen mehrheitlich angewandt wird, nur bis zur 9. Schwangerschaftswoche erlaubt ist. Es mehren sich Erfahrungsberichte von Frauen, die zur baldigen Einnahme gedrängt werden, um diese Frist nicht zu überschreiten.

Angesichts dieser Entwicklung fordert der Bundesverband Lebensrecht als Sofortmaßnahmen eine Qualitätsüberprüfung der Schein-Beratungsstellen im Hinblick auf die gesetzlichen Vorgaben sowie eine vollständige Statistik mit Abtreibungsmotiven, um die Beratung und Hilfe zu verbessern. Eine weitere Förderung und Ausweitung der Abtreibung, wie unter anderem von Bündnis 90 / Die Grünen aktuell gefordert, ist vor diesem Hintergrund mehr als absurd.