Anlässlich des Welttags der Suizidprävention am 10. September mahnt die Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle e.V., Cornelia Kaminski
Augsburg. Anlässlich des Welttags der Suizidprävention am 10. September mahnt die Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle e.V., Cornelia Kaminski, angesichts stetig steigender Suizidzahlen entschiedenes Handeln aus allen Bereichen der Gesellschaft für eine effektive Suizidprävention an.
Am Welttag der Suizidprävention muss über ein Phänomen gesprochen werden, das die Prävention systematisch untergräbt. Denn überall dort, wo assistierter Suizid legalisiert wurde, passiert dasselbe: Die Suizidzahlen steigen.
Der assistierte Suizid ersetzt nicht die gewaltsame Selbsttötung
Sterbehilfe-Vereine fordern ein „entspannteres Verhältnis zum Tod“. Dagegen ist nichts einzuwenden. Ein entspannteres Verhältnis zum Tod ist jedoch nicht dasselbe wie ein entspannteres Verhältnis zum Töten – das wäre nämlich verhängnisvoll. Eine gewaltsame Selbsttötung ist für alle Beteiligten ein Drama. Der assistierte Suizid sei dagegen eine humane Möglichkeit, selbstbestimmt frühzeitig aus dem Leben zu scheiden – so die Befürworter. Allerdings widersprechen die Daten dieser Einschätzung deutlich. Assistierter Suizid ersetzt andere Formen der Selbsttötung nicht, sondern addiert sich zu ihnen. Die Zahl der Suizide steigt in Deutschland seit Jahren, die Suizidrate liegt inzwischen bei 12,4 pro 100.000 Einwohner. Auch die Zahl der assistierten Suizide in Deutschland steigt stetig: Wie die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) berichtet, nahmen insgesamt 1.287 Männer und Frauen im vergangenen Jahr die Hilfe von organisierten Sterbebegleitern in Anspruch, das ist fast viermal so viel wie 2021 (340 Fälle). Wenn die Entwicklung einen ähnlichen Verlauf nimmt wie in den Niederlanden oder der Schweiz, ist laut Angaben der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) mit jährlich zwischen 24.000 und 58.000 assistierten Suiziden zu rechnen. Da das geschäftsmäßige Anbieten von assistierter Selbsttötung in Deutschland nicht verboten ist, gibt es mittlerweile neben den drei großen Sterbehilfeanbietern auch weitere kleinere Organisationen, wie z.B. die Voluntate GmbH. Wer hier einen assistierten Suizid beauftragt, muss knapp 8000 Euro auf den Tisch legen. Dennoch gehen Fachleute davon aus, dass inzwischen mehr als jeder zehnte Suizid in Deutschland mit Assistenz erfolgt.
Mediale Verantwortung und Werther-Effekt
Die Weltgesundheitsorganisation hat 2023 ihre Richtlinien zur Darstellung von Suizid in Medien aktualisiert. Die zentralen Empfehlungen sind eindeutig: Verzicht auf prominente Platzierung, Vermeidung detaillierter Methodenbeschreibungen und besondere Zurückhaltung bei der Berichterstattung über Prominente. Der sogenannte Werther-Effekt – die Nachahmung medialer Suiziddarstellungen – ist bei bekannten Persönlichkeiten besonders stark ausgeprägt. Effektive Suizidprävention bedeutet daher auch, auf Berichte über Selbsttötungen zu verzichten, auch wenn sich auf Grund der Prominenz der Verstorbenen eine Reichweitensteigerung oder eine Ausweitung des Kundenstamms erreichen lässt.
Erosion von Solidarität und Fürsorge
Wer schwer krank, depressiv, einsam oder hochbetagt ist, durchlebt eine Phase intensiver Verletzlichkeit. Wenn in solchen Phasen die Option zur Tötung als gesellschaftlich akzeptierte Lösung im Raum steht, wächst subtil, aber massiv der Druck: Man könnte den Angehörigen „eine Last ersparen“, dem Pflegeheim „Kosten vermeiden“, der Gesellschaft „Bürde nehmen“. Nicht zufällig gibt es in Kanada bereits amtliche Berechnungen, wie viele Millionen Dollar sich durch „Sterbehilfe“ für das Gesundheitssystem einsparen ließen. Besonders besorgniserregend ist, dass laut Angaben von fowid in 25,6 % der Fälle von Freitodbegleitung als Grund „Lebenssattheit“ angegeben wurde – nach Multimorbidität der zweithäufigste genannte Grund.
Verfügbarkeit als Hauptrisikofaktor
Sperrt man die Waffen weg, gibt es weniger Tote: Je leichter der Zugang zu todbringenden Mitteln, desto höher die Suizidrate. Die legale Bereitstellung tödlicher Substanzen kehrt dieses Präventionsprinzip um: Statt Barrieren zu errichten und Auffangnetze zu spannen, werden sie systematisch abgebaut. Denn assistierter Suizid boykottiert systematisch die Prävention: Dritte stimmen dem Todeswunsch zu, stellen Mittel bereit und erleichtern die Durchführung – im fundamentalen Widerspruch zur Suizidforschung, die die Verfügbarkeit der Mittel als Hauptrisikofaktor identifiziert.
ALfA fordert Ausbau von palliativer Versorgung
Jeder Suizid ist einer zu viel – auch der assistierte. Er ist in jedem Fall Ausdruck eines Mangels an Solidarität, Empathie und helfenden Beziehungen. Die ALfA fordert deshalb den Ausbau einer palliativen Versorgung, die den Menschen umfassend im Blick hat: die Schmerzen lindert, Ängste löst, menschliche Nähe schenkt und Ärzte sowie Pflegekräfte durch bessere Aus- und Weiterbildung befähigt, Schwerkranke kompetent und empathisch zu begleiten.
Veranstaltungshinweis: ALfA-Online-Vortrag am 10. September
Passend zum Welttag der Suizidprävention startet die ALfA am 10. September 2026 um 20:00 Uhr die neue Diskussionsreihe „Drei Fälle, eine Frage: Soll ich sterben? – WissensSprint Assistierter Suizid“. Zum Auftakt spricht Priv.-Doz. Dr. Dr. Kai Witzel – Chirurg, Palliativmediziner, Diakon und Medizinethiker (AEM) – anhand von drei realen Fällen darüber, wie über den Tod eines Menschen entschieden wird. Im Anschluss werden die Fälle gemeinsam mit den Teilnehmenden diskutiert.
Die Veranstaltung findet online per Zoom statt und ist kostenlos. Der Zugangslink wird nach Anmeldung versandt. Anmeldung und weitere Informationen unter:
https://www.alfa-ev.de/kalender/drei-faelle/
Die Aktion Lebensrecht für Alle e.V. (ALfA) tritt für das uneingeschränkte Lebensrecht jedes Menschen ein – ob geboren oder ungeboren, behindert oder nicht, krank oder gesund, alt oder jung. Die ALfA hat ca. 11.000 Mitglieder und ist Mitglied im Bundesverband Lebensrecht (BVL).
V.i.S.d.P.
Cornelia Kaminski / Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle, ALfA e.V.
E-Mail: cornelia.kaminski@alfa-ev.de / Telefon: 0821/512031
